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  • Meinem Vaterland, der Republik Polen, treu sein

     

  • NACHRICHTEN

  • 1 November 2018

    Im Großen Saal des Berliner Konzerthauses fand am 23. Oktober ein feierliches Konzert zum 100. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit durch Polen statt, bei dem der Präsident der Republik Polen und der deutsche Bundespräsident samt Gattinnen anwesend waren. Gespielt wurde das Konzert vom Orchester der Posener Philharmonie mit Beteiligung von Solisten, u.a. Szymon Nehring; dirigiert hatte Marek PIjarowski. Eingeladen hatten Andrzej Przyłębski, Botschafter der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland, und seine Gattin Julia Przyłębska, Präsidentin des polnischen Verfassungsgerichtshofes.

     

     

    Nachdem das Orchester die beiden Nationalhymnen gespielt hatte, wurden die zahlreich versammelten Gäste durch Botschafter Przyłębski begrüßt. In seinem Grußwort erinnerte er daran, dass den runden 100. Jahrestag ihres Bestehens in diesem Jahr viele Staaten feiern würden, die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entstanden sind. In diesem Zusammenhang solle aber nicht vergessen werden, dass der polnische Staat nicht im Jahre 1918 entstanden ist, sondern wiedergeboren wurde, nachdem es ihn infolge der Teilungen durch drei absolutistische Reiche 123 Jahre lang auf der europäischen Landkarte nicht gegeben hatte.

     

    „Ein polnischer Staat existierte damals nicht, die äußerst reiche polnische Kultur jedoch dauerte fort, darunter eine politische Kultur, die in unserer übertausendjährigen, zum überwiegenden Teil demokratischen und republikanischen Geschichte entstanden war. Auch, ja vielleicht sogar vor allem aus diesem Grund stellt die Existenz Polens für Europa einen besonderen Wert dar, einen unersetzlichen Wert, schon im Hinblick auf die besondere Verbindung Polens zum Christentum, einem der Fundamente der europäischen Spiritualität“, sprach der Botschafter.

     

    Danach hielten der polnische Präsident und der Bundespräsident ihre Reden.

     

    Präsident Duda gab seiner Zufriedenheit Ausdruck, dass der für Polen wichtige Jahrestag zusammen mit den deutschen Nachbarn und Freunden gefeiert werde. „Besonders freut mich die Anwesenheit des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Gattin, für dessen Bemühungen um die deutsch-polnische Freundschaft ich Respekt und Sympathie empfinde“, sagte Andrzej Duda. Er gab auch seiner Freude über die Anwesenheit des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Ausdruck.

     

    „Die polnischen Herzen schlagen an diesen Tagen, bei dem Gedanken an den nahen 11. November, höher. Unser Nationalfeiertag der Unabhängigkeit wird dieses Jahr besonders feierlich begangen. Er erinnert uns an all das, worauf sich unser Nationalstolz, unser Gefühl der Einigkeit und Solidarität gründen“, so der polnische Präsident.

     

    „An diesem Tag erinnern wir uns selbst und die Welt daran, dass Polen seit über 1050 Jahren die Geschichte und die Errungenschaften der europäischen und der weltweiten Zivilisation mitprägt. An diesem Tag drücken wir den Stolz auf unser reiches nationales Kulturerbe aus – das Erbe einer eigenständigen, doch aber durch und durch europäischen Kultur, welche die Ideen des Christentums und der griechischen sowie der römischen Antike gestaltet haben. […] Dadurch und durch moderne politische sowie gesellschaftliche Lösungen, die in der Republik Polen, welche jahrhundertelang eine Republik zweier Nationen war, umgesetzt wurden, trugen wir zu europäischen und weltweiten politischen und kulturellen Entwicklungen bei“, betonte Andrzej Duda.

     

    „Der im polnischen Staat über Jahrhunderte gelebte Geist der gegenseitigen Achtung, der religiösen Toleranz und der zivilgesellschaftliche sowie staatliche Gedanke, dass für das Gemeinwohl Opfer zu tragen sind, überdauerten bis heute als Wesen und Kern der polnischen Identität. Dadurch waren wir Polen und Europäer, wir sind es und wir werden es bleiben. Dadurch und dank dem Mut sowie der Unbeugsamkeit der Väter unserer Unabhängigkeit, dank dem Kampf und der Arbeit von Millionen gewöhnlicher Polen konnten wir 1918 die einzigartige geschichtliche Chance nutzen, die sich uns bot“, stellte Andrzej Duda fest.

     

    „Damals erfuhren wir zum wiederholten, aber nicht zum letzten Mal, dass ein souveränes, starkes, modernes Polen zu den unersetzbaren Säulen eines jeden realistischen Entwurfs der europäischen Einheit gehört, einer jeden dauerhaften Konstruktion für Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung auf unserem Kontinent.“

     

    Der polnische Präsident bedankte sich bei dem Bundespräsidenten für dessen Besuch in Warschau im Juni 2018 sowie für seine Einladung nach Berlin. Andrzej Duda merkte an, dass in der Geschichte zwischen unseren Staaten und Nationen Verschiedenes passiert sei. Doch wir könnten uns, so Andrzej Duda, erinnern und Lehren aus der Geschichte ziehen; unsere Zusammenarbeit in der EU, unsere gute Nachbarschaft und Freundschaft würden von ebendieser Erinnerung zeugen.

     

    Frank-Walter Steinmeier hob hervor, dass die Polen nach Jahrhunderten von Kriegen, Teilungen, Besatzungen und fremdherrschaftlichem Diktat den Wert der mehrmals schmerzlich wiedererrungenen Staatlichkeit besser denn jede andere Nation kennen würden. Polen sei in Europa, so Steinmeier, eine unersetzbare Stimme gewesen und sie sei es nach wie vor. Man wisse das, seitdem die erste polnische Verfassung von 1791 dem Kontinent den Weg gewiesen habe: die erste Verfassung, in der eine Gewaltenteilung, die Gleichheit der Bürger vor Recht und die Freiheit der Religionsausübung vorgesehen gewesen seien.

     

    Dass in der Geschichte die Deutschen den Polen wiederholt kein vertrauenswürdiger Nachbar gewesen seien, erfülle ihn mit tiefer Scham, sagte der Bundespräsident. Man könne nicht an die Entstehung der Zweiten Polnischen Republik erinnern und deren Ende durch Nazideutschland vergessen.

     

    „Wir haben die Verwüstungen, welche die Deutschen in der Zweiten Polnischen Republik angerichtet haben, nicht vergessen“, sagte der Bundespräsident mit Nachdruck. Die polnische Unabhängigkeit gemeinsam in Berlin zu feiern, sei keine Selbstverständlichkeit, sondern ein glücklicher Moment in der Geschichte Europas, der mutigen Frauen und Männern der Versöhnung zu verdanken sei, welche die Hand ausgestreckt und diese auch angenommen hätten. „Wir wünschen uns ein freies, demokratisches, selbstbewusstes Polen als Partner bei dem Aufbau der Zukunft Europas“, schloss Frank-Walter Steinmeier.

     

    Das Orchester der Posener Philharmonie gehört zu den bekanntesten und angesehensten polnischen Symphonieorchestern.  Es tritt auf den wichtigsten Musikbühnen des In- und Auslandes, mit Konzerten in nahezu allen Ländern Europas. Das Orchester begleitete die Teilnehmer des ersten Chopinwettbewerbes im Warschau der Nachkriegszeit und tritt seit 1952 zusammen mit den Finalisten des Internationalen Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerbs in Poznań auf.

     

    In Berlin wurde es von Marek PIjarowski dirigiert, der seit 2007/2008 Chefdirigent des Orchesters der Posener Philharmonie ist; seit über 40 Jahren ununterbrochen arbeitet er zusammen mit allen Philharmonie- und Radioorchestern Polens.

     

    Das Gebäude des Konzerthauses befindet sich am Gendarmenmarkt im historischen Stadtzentrum Berlins. Mit dem Aufbau des während des Zweiten Weltkrieges zerstörten Hauses wurde 1979 begonnen.

     

     

     

    Quelle: Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen

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